Unsere Konfirmierten

Wir wünschen den neunundvierzig neu Konfirmierten alles Gute und Gottes Segen für ihren weiteren Lebensweg.

Ehrenamtskonzept neu überarbeitet

Vielen Dank allen Ehrenamtlichen, die sich in unserer Gemeinde im Kleinen und im Großen mit ganzem Herzen, ihrer Zeit, Kraft und Leidenschaft einbringen! Ehrenamtliche sollen in unserer Gemeinde wertgeschätzt, begleitet und gefördert werden. Die AG Ehrenamt hat dazu bereits 2012/2013 ein ausführliches Ehrenamtskonzept erarbeitet, was jetzt überarbeitet und im Kirchengemeinderat neu beschlossen wurde.

Hier finden Sie das überarbeitete Ehrenamtskonzept zum Nachlesen und Ausdrucken.

Sie haben Zeit und Lust und suchen noch nach einer Aufgabe in der Gemeinde? Sprechen Sie uns gern an: Hier finden Sie zu unseren Kontaktdaten.

Konfirmation 2017

Am 7. und 14. Mai werden in Bühl die Konfirmationen gefeiert. Den Gottesdienst am 30. April gestalteten die Konfirmanden und haben das Thema „Nächstenliebe und Vorurteile “ im Kirchenraum kreativ umgesetzt.

Da nahte sich Jesus und ging mit ihnen

Predigt über Lk 24,13-35

Ostern 2017, Johanneskirche Bühl

 

 

I

OH es reicht jetzt wirklich. Ich halt das nicht mehr aus, diese düsteren verhuschten Gestalten wie sie hier rumhocken und sich bedauern, wie sie auf jedes Geräusch lauern – wann fliegen wir endlich auf. Und dieses Flüstern und Rätseln, was jetzt wohl wird. Es war schon gestern kaum zum Aushalten, am Feiertag so ein Elend, zum Verrücktwerden. Wenn er das wüsste: seine Auserwählten, der engste Kreis, die erlauchte exklusive Apostelgesellschaft – jetzt so ein jämmerlicher Haufen. Mit denen hätte er nix reißen können. Und dann noch diese durchgeknallten Frauen, mit ihren Phantasien von dem leeren Grab. Immerhin hatten sie mal Mumm genug, sich aus dem Haus zu trauen und zum Grab zu gehen, heute in aller Herrgottsfrühe. Und irgendwas war da wohl auch heute Nacht. Können sie ihn denn nicht mal jetzt in Ruhe lassen? Wahrscheinlich stecken die Römer dahinter oder die fromme Tempel-Clique um die Hohepriester. Es wird hier immer verrückter. Und darum muss ich dringend raus! Kleopas – du packst auch gerade deine Sachen? Du willst auch weggehen? Nach Emmaus, in Dein Dorf? Da komm ich mit! Nimm mich bloß mit! Lass uns zu zweit gehen, ja? Raus aus dieser schrecklichen Stadt. Was sind das nur für Leute hier, die erst Hosianna rufen und ein paar Tage später ihren König niederschreien und ans Messer liefern, an die Feinde, an Pilatus, an die römischen Besatzer!? Ich muss hier weg! Auch weg aus dieser Jesus-Geschichte. Es hätte so gut werden können! Aber es war ein Trugschluss, eine Täuschung. Warum nur hat er diesem Hinterhalt nichts entgegen gesetzt und all den falschen Anschuldigungen? Warum hat er Judas einfach machen lassen. Warum ist nicht einfach abgetaucht. Und warum hat er sich so gar nicht gewehrt, wenigstens ein bisschen gekämpft? Aber von uns kam ja auch nichts. Also, Kleopas, lass uns ganz schnell gehen. – Lesung aus dem Lukasevangelium, Kapitel 24:

 

Lesung:   Lk 24,13-35

Gebet:     Herr Jesus Christus. Zeig Dich auch uns. Und wenn wir Dich auch nicht sehen, dann lass dich hören. Amen.

 

II

Zunächst eine Beobachtung, liebe Gemeinde: keine der Ostergeschichten in den vier Evangelien im Neuen Testament wird so ausführlich erzählt. Keine andere der Geschichten rund um die Auferstehung Jesu ist so lang. Doppelt so lang wie die Geschichte vom leeren Grab. Ob das was zu bedeuten hat? Vielleicht! Vielleicht, weil wir Späteren hier aus der Zuschauerrolle ein wenig herauskommen können. Vielleicht hat Lukas darum – als einziger – diese Episode so ausführlich erzählt. Denn da können wir Schritt halten und ein Stück Weg mitgehen. Denn nur einer dieser beiden Jünger hat hier einen Namen: Kleopas – keine Berühmtheit, von ihm ist nirgends sonst im Neuen Testament die Rede. Der andere ist namenlos. Ein Platzhalter für uns, damit wir uns selbst dort eintragen und den Weg mitgehen, nach Emmaus – und wieder zurück.

 

III

Mit diesen beiden würden wir auch gewiss nicht auffallen. Sie waren offenkundig keine großen Lichter. Zum auserwählten Kreis der zwölf Apostel gehörten sie jedenfalls nicht. Immerhin waren sie sportlich. Laufen konnten sie und haben am Abend die Strecke auch gleich noch einmal geschafft – so eine Art „Laufen mit Herz“. Aber besonders erfahren im Umgang mit Jesus oder irgendwie bibelkundig waren sie offenbar nicht. Keine Glaubenshelden, sondern eher so Leute wie wir. Zwei verschreckte und enttäuschte Jünger auf der Flucht. Zu solchen Leuten kommt Jesus. Am Tag seiner Auferstehung, dem ungewöhnlichsten Datum der Weltgeschichte. Mit solchen Leuten geht der auferstandene Christus an diesem Tag spazieren. Der Bezwinger des Todes und der Hölle, der Herr der Herrlichkeit, der König sucht die Gesellschaft von zwei Durchschnittsjüngern aus der dritten Reihe. Kein großer Auftritt in Jerusalem. Sondern eine Wanderung, zwei Stunden Weg, raus aus der Hauptstadt, zu irgendeinem Kaff in der Nähe – die Historiker rätseln bis heute wo das eigentlich war. Der Auferstandene wandert mit diesen beiden Jüngern – und sie bekommen es nicht mit.

 

Am Anfang war das auch gewollt: „ihre Augen wurden gehalten“ heißt es hier. Also wollte Jesus erst einmal im Verborgenen bleiben. Aber so im Lauf der Reise – denken wir als Zuschauer – hätten diese beiden doch was merken können oder merken müssen. Aber da geht kein Licht auf. Ein langer gemeinsamer Weg (zwei Stunden!) und ein langes intensives Gespräch – und sie kapieren es nicht. Und doch macht Jesus nicht beleidigt kehrt (wie wir, wenn man uns nicht gebührend würdigt), sondern er hält das aus. Er sucht sich keine anderen Leute, in die zu investieren sich mehr lohnt. Wie gesagt: die Beiden tauchen später nirgends wieder auf – trotz dieses sehr persönlichen und einzigartigen Begegnung. Aber Jesus rechnet anders als wir und widmet diesen Beiden seinen gesamten ersten Sonntagnachmittag nach seiner Auferstehung, mit großer Geduld und Aufmerksamkeit. Jesus lässt sich ein auf ihren Weg, obwohl er wegführt aus Jerusalem, wo doch demnächst di erste Gemeinde gegründet werden soll.

 

Ich finde das unglaublich und sehr tröstlich, dass sich der auferstandene König der Welt für diese beiden Randfiguren so sehr interessiert, für diese müden Zweifler und Flüchtlinge des Glaubens. Er haut sie nicht mit seiner Kraft und Wahrheit um. Er passt sich ihrem Tempo an und redet, wartet, hört zu und isst mit ihnen – bis endlich, endlich auch ihnen dämmert, wer da die ganze Zeit an ihrer Seite ging und sich zu ihnen setzt an ihren Tisch. – Und Du, wo bist Du grad auf der Flucht? Wovor läufst Du weg? Wohin würdest Du Dich gerne zurückziehen aus dem Druck und den Enttäuschungen Deines Lebens und manchmal Deines Glaubens?

 

IV

Vielleicht begegnet Jesus Dir auch so, dass er zunächst mal Fragen stellt und zuhört. Und dann erst, später, selber redet und die Landkarte auspackt, die Heilige Schrift, und seinen Weggefährten Schritt für Schritt erklärt, woher sie kommen und wohin es weitergehen wird. Was für eine starke Geste, dass der auferstandene Jesus mit seinen Jüngern erst mal in der Bibel liest. Das ist sein Ostergeschenk – so eine Art Ostereiersuchen in der Bibel. Er geht mit ihnen durchs Gelände und zeigt ihnen, wo sie suchen sollen und was sie finden können und welcher Schatz uns Menschen hier gegeben ist. Schaut hin – sagt Jesus – es steht schon alles da. Hier könnt ihr lesen, dass mein Leben wie mein Sterben nicht irgendwie passiert ist, sondern vorbereitet war und so geschehen sollte. Schaut rein, in dieses Buch der Bücher – mein Reiseführer-Tipp für unterwegs. Geht auch für Ungeübte und für müde Leute, mit denen Jesus offenbar besonders gern zusammen ist.

 

Und Proviant gibt’s auch. Denn Jesus schenkt den beiden Jüngern neu das Abendmahl. In der Nacht vor seinem Sterben hatte er es exklusiv mit seinen zwölf Apostel gefeiert. Doch nun empfangen diese hier als erste aus der Hand des Auferstandenen das Brot des Lebens. Und da geht ihnen endlich auf, wer hier mit ihnen unterwegs gewesen ist, wen sie – ist das wahr? – die ganze Zeit schon bei sich hatten; und wir haben’s nicht gemerkt. Jesus war die ganze Zeit dabei, und wir haben ihn nicht erkannt. Bevor wir ihn gebeten haben: bleib bei uns – war er schon da und ist geblieben. Und nun setzt er selbst, der Auferstandene das Abendmahl ganz neu in Kraft: „mein Leib, für euch – mein Leben für euch“. Und es wird klar, dass dieses Mahl kein Gedächtnismahl für einen Toten ist, sondern ein Fest, bei dem Christus gegenwärtig ist, verborgen und doch greifbar unter Brot und Wein. Gut, dass wir das nachher feiern.

 

 

 

 

VI

Denn danach gibt es für jene müden Wanderer kein Halten mehr. Sie brechen auf, sofort, noch in der Nacht und laufen diesen ganzen Weg zurück nach Jerusalem. Damit die dort Zurückgebliebenen es auch erfahren: dass Jesus lebt und dass die Frauen recht hatten, dass er tatsächlich auferstanden ist.

 

Sie kehren um und bleiben nicht in ihrem abgelegenen Winkel, wohin sie sich zurückgezogen hatten, ins Private. Sondern sie gehen wieder dahin, wo Geschichte geschrieben wird und wo er Leute braucht, die sich von ihm senden lassen in die Welt. Klar hätten sie sich auch in Emmaus über Jesu freuen können und über die Auferstehung, so im Stillen und zu zweit, für sich. Aber so geht diese Geschichte nicht aus! Denn wer dem Auferstandenen begegnet ist – wenn auch ganz unvermutet, irgendwo unterwegs, wo man mit ihm gar nicht gerechnet hat. Wer ihm begegnet ist über der Heiligen Schrift und im Abendmahl, der taucht nicht unter, sondern bricht als Zeuge Jesu Christi neu auf in diese Welt, die Gott so kostbar ist mit all den Menschen, die er liebt. Kein Abtauchen, sondern zurück in die Hauptstadt, wo es Gewalt gibt und Intrigen und Messerattacken und Giftgas in der Nähe, wo Macht missbraucht wird und auch die Religion missbraucht wird, wo die Erschöpften sind und die Hoffnungslosen und wo es gefährlich werden kann, von Christus zu reden. Dahin kehren die Jünger zurück. – Und wir? Wir auch, nach unserem Osterspaziergang heute Nachmittag und nach dem Abendmahl jetzt gleich. Auf in die Welt, in der die Demokratie gefährdet ist (nicht nur in der Türkei). Auf in die Welt, in der Menschen sich eingeschlossen haben in ihrem Land / in ihrem Haus, aus Furcht. Die Welt, in der Menschen bedroht sind und fliehen auf der Suche nach einem neuen Leben. Die Welt, in der Bomben geworfen werden und Kinder verhungern, in der es Krach in den Familien gibt und wo der Tod Beziehungen zerstört und Trauernde beschwert. Dahin kehren Kleopas und der unbekannte Jünger zurück – und wir auch. Mit der kraftvollsten und schönsten und unglaublichsten Botschaft der Welt: Der Tod, das Elend und die Bosheit – und wenn es tausendmal danach aussieht – sie siegen nicht! Weil Christus auferstanden ist. Die Gnade siegt, Versöhnung und Gerechtigkeit und die unbezwingbare Liebe Gottes – weil Jesus wahrhaftig auferstanden ist. Und der Friede Gottes …

Denn sie wissen nicht, was sie tun

Predigt über Lk 23,33-46

Karfreitag 2017 / Johanneskirche Bühl

Und jetzt? Jetzt sitzen wir in unserer Kirche und schauen auf die ausgelöschte Kerze und den Hauch, der sich verflüchtigt und schauen auf das große leere Kreuz hier an der Backsteinwand. Und würden gern zum wiederholten Male wissen: Warum? Warum das alles so geschehen ist und warum diese Geschichte immer noch erzählt wird. Was ist das mit Karfreitag? Warum ist Jesus gestorben, so unverdient, so schmerzhaft, so allein? Wozu das alles und warum so?

 

Auf diese Fragen kann uns niemand eine Antwort geben, nur Jesus selbst. Und darum hören wir heute vor allem auf ihn. Denn er hat dort nicht stumm gelitten. Sondern Jesus hat am Kreuz geredet und gebetet und geschrien. Und seine Worte geben Aufschluss. Sie führen uns mitten hinein in das Geschehen und bringen uns zugleich auf eine andere Ebene. Wie von oben herab, wie durch die Kamera einer Drohne, die über dem Geschehen kreist, erscheint durch seine Worte die grausige Geschichte in einer neuen Perspektive. Drei Sätze werden uns im Lukasevangelium überliefert. Der erste und der letzte Satz sind jeweils ein Gebet: Gespräche mit Gott, dem Vater. Der zweite Satz gehört in das völlig schräge Streit-, Spott- und Trostgespräch der drei Todeskandidaten. Hören wir hin.

 

II

Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun – der erste Satz am Kreuz. Da war Jesus von seinen engsten Weggefährten verraten worden, von seinen besten Freunden und Vertrauten verleugnet und verlassen worden. – Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun! Die religiöse Elite, kluge Köpfe, ernsthaft Gläubige hatten Jesus einhellig zum Gotteslästerer erklärt und zur Vollstreckung der Todesstrafe ausgeliefert an die feindliche Besatzung, ihren eigenen Mann. – Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun! Da hatte der römische Machthaber Pilatus den Weg des geringsten Widerstands gewählt und sich dazu mit seinem alten Feind verbündet, um einen offenkundig Unschuldigen feige zu entsorgen – den Mörder und Verbrecher ließ er laufen. – Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun! Da hatten die Soldaten ihn gequält und gedemütigt – ein unnötiger, menschenverachtender Zeitvertreib. – Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun! Und nachdem die Menge anfangs noch für Jesus ihre bunten Gewänder auf den Weg gebreitet hatten – Hosianna, König – hatten sie ihm nun das letzte Stückchen Stoff und Schutz genommen und ihn bloßgestellt, im Todeskampf nackt und jeder Würde beraubt. – Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun! Das Lästern, Spotten, Giften, Johlen, Nachtreten auf einen, der sowie so am Boden liegt, aufs Kreuz gelegt. Nicht mal mehr jetzt ein Funken Menschlichkeit – oder ist gerade diese Häme typisch menschlich? – Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!

 

O doch, würde ich gerne rufen. Wir wissen meistens sehr wohl, was wir so tun. Die Bosheit, Feigheit, Trägheit und das Lästern kommen nicht wie eine heftige Naturgewalt plötzlich über uns. Wir wissen schon in aller Regel, was wir tun und was wir lassen sollten. Wir tragen Verantwortung: für unser Leben, für den Zustand unserer Beziehungen und für die Wetterlage in der Familie und auch für die Großwetterlage in der Welt.

 

Kennt jemand noch den Film, den letzten mit James Dean, der diesen Titel trägt: „Denn sie wissen nicht, was sie tun“? Zwei Siebzehnjährige liefern sich in diesem Film ein mörderisches Autorennen, eine wahnsinnige Mutprobe: Mit gestohlenen Autos rasen sie an einer Steilküste auf den Abgrund zu, und wer als letzter rausspringt, hat gewonnen. Die beiden Wagen fahren an und rasen immer schneller auf die Klippe zu; im letzten Augenblick springt Jim heraus (James Dean), doch Buzz, der andere, schafft’s nicht mehr und stürzt mit 180 Sachen in den Tod. Jim wird nach diesem Unglück seines Lebens nicht mehr froh, muss fliehen, sich verstecken, und am Ende wird sein treuster Freund – als Jim ihn retten will, erschossen. „Denn sie wissen nicht, was sie tun“! James Dean hat den Kino-Start des Films nicht mehr erlebt. Kurz zuvor kam er ums Leben, bei einem Autounfall. Wusste er, was er tat?

 

Bezeichnend, dass Jesus hier nicht sagt: sie können nichts dafür. Denn aus der Verantwortung entlässt er uns nicht. Wir sind verantwortlich – einzelne mehr, andere weniger – sind Menschen verantwortlich für den Hunger in Westafrika. Wenn wir es wollten, könnten alle satt werden in unserer Welt. Wir sind verantwortlich für die Waffenexporte und für die Opfer an den Gott des Geizes und des Profits. Wir sind verantwortlich für unsere Machtspiele, auch für die kleinen, fiesen in der Partnerschaft, die Rechthaberei mit den Kindern oder mit den Eltern. Wir sind verantwortlich! – Auch wenn wir kaum die Tiefe begreifen und wo das herkommt, die zerstörerische Kraft der Sünde und warum wir Menschen so sind, im Spannungsfeld von Stolz und Bitterkeit und unserer Selbstverachtung, warum wir da nicht wirklich rauskommen? Und warum uns Gott so fremd geworden ist, so fern, dass wir nicht einfach „Vater“ sagen können? Wissen wir, woher das kommt, was wir da alle in uns tragen? – Wir wissen es nicht, wie tief der Abgrund ist, auf den wir zurasen in unserem gestohlenen Wagen.

 

Darum ist Jesus am Kreuz gestorben, um sich uns in den Weg zu werfen und uns aufzuhalten. Und er hat sich dabei von uns überfahren lassen, damit wir nicht am Ende in den Abgrund stürzen. Darum ist Jesus am Kreuz gestorben, der Gottessohn, um für uns Gott zu bitten: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.

III

Und wissen oft nicht, was sie reden. Wie sie da stehen unter dem Kreuz und spotten über Jesus. Sie hatten ja keine Ahnung, dass Jesus gerade in seiner Hilflosigkeit uns weitaus mehr geholfen hat las irgendjemand sonst. Und dass gerade ein Verbrecher das am ehesten verstanden hat, einer der am Nachbarkreuz hing und mit Jesus hingerichtet wurde, da ist schon verrückt. Ein Krimineller wird zum Vorbild durch seine Bitte: „Denke an mich, Jesus, wenn Du in Dein Reich kommst“. Und Jesus antwortet – das ist sein zweites Wort am Kreuz im Lukasevangelium: Wahrlich, ich sage Dir: heute wirst Du mit mir im Paradies sein (23,43). Manche haben das als ungerecht empfunden, dass am Ende nach einem gescheiterten Leben – er sagt ja von sich selber, die Todesstrafe ist gerecht – dass sich mit diesem einen Satz die Lage wendet, dass er gerettet wird. Dabei ist dieser Mann vielleicht noch nicht mal richtig fromm gewesen und auch am Kreuz nicht fromm geworden, sondern hat den letzten Strohhalm halt ergriffen, der sich bot: wer weiß, ob dieser komische König mit den Dornen im Haar nicht doch noch eine Hintertüre offen hat. – Und dann war es keine Hintertüre, sondern der Haupteingang! Er war der erste, der den neuen Weg beschritt: Highway to Heaven! Denn Jesus hat ihn mitgenommen, als den ersten. Den rechtskräftig verurteilten Verbrecher hat Jesus mitgenommen als allerersten in sein Reich, in den Himmel, ins Paradies … – Wie wir halt ahnungslos von jener Wirklichkeit reden, die wir nicht denken können und von der wir darum manchmal meinen, dass es sie nicht gibt: den Ort, an dem alles gut ist, das Leben so wie sie sein soll in inniger Vertrautheit mit Jesus, in Gemeinschaft mit Gott dem Vater. Da, wo Jesus ist, da ist dieser Ort, das Paradies – und wenn’s am Kreuz ist und in höchster Todesnot.

 

Das also ist das Zweite, was uns Jesus sagt, warum er da am Kreuz gestorben ist: nicht nur zur Vergebung unserer Schuld, damit das alte abgewickelt wird. Sondern auch, um uns – jetzt schon – eine neue Tür zu öffnen, weil mit ihm das Leben neu und überhaupt erst richtig beginnt. Das hier, bisher, und was noch kommt, ist nur die Vorgeschichte.

 

IV

Das dritte Wort schließlich, das letzte Wort Jesu am Kreuz, ist wieder ein Gebet: Vater, in Deine Hände befehle ich meinen Geist (23,46)! So ist Jesus gestorben, mit einem Gebet auf den Lippen – aus dem Buch der Psalmen, aus der jüdischen Bibel. Und auch dieses letzte Wort gilt uns. Denn Jesus geht hier jenen Weg, den wir am Ende alle gehen müssen, wenn wir gehen müssen, wenn wir sterben irgendwann – vielleicht schon bald. Und dabei kommt es nicht auf Jesu Vorbild an, dass wir am Ende auch am besten solche Worte auf den Lippen haben und uns im Sterben Gott dem Vater anvertrauen. Nein, es geht nicht um das nicht das Vorbild hier, sondern um das Wunder, dass Gottes Sohn auch diesen Weg ins Sterben geht – der einzige, der diesen Weg nicht hätte beschreiten müsste. Dass Gott in Jesus diesen Weg auch geht, mit uns, in jenes dunkle Tal, wo uns sonst niemand anders beistehen kann. Da geht Jesus auch hin, bewusst, ins Sterben, in den Tod. Damit wir dort nie alleine sind, sondern den zur Seite, der sich dort auskennt und uns durchbringt. Und vielleicht betet Jesus dann, wenn wir es selber nicht mehr schaffen so für uns: Vater, in Deine Hände befehle ich seinen Geist!

 

V

Dazu ist Jesus gestorben: Damit wir einen haben, der uns aufhält in unserer Selbstzerstörung und um Vergebung bittet für uns. Und damit wir einen haben, der uns den Weg öffnet ins Weite und in die Gottesgegenwart. Und schließlich, wenn wir sterben müssen, dass er auch dann noch bei uns ist und uns in Gottes Hand befiehlt. Dazu ist Jesus gestorben.

 

Und der Friede Gottes …

Reformation in Baden und Bühl

Unter diesem Titel wird Uwe Hauser am Dienstag 25. April Einblicke in die Reformationsgeschichte im Südwesten Deutschlands geben. Was hat sich im 16. Jahrhundert und danach in Baden bewegt? Welche Einflüsse aus den Zentren der Reformation in Wittenberg, Zürich und Genf, aber eben auch aus Heidelberg, Basel und Straßburg haben die kirchliche Landschaft in unserer Gegend erreicht und verändert? Dr. Uwe Hauser ist Leiter des Religionspädagogischen Instituts der Evangelischen Kirche in Baden und ein ausgewiesener Kenner der Badischen Kirchengeschichte. Er versteht es, ebenso kenntnisreich wie unterhaltsam historische Zusammenhänge zu erklären. Nach seinem Vortrag gibt es Zeit für Fragen und zum Gespräch. Der Abend beginnt um 20.00 Uhr im Gemeindesaal der evangelischen Kirchengemeinde; der Eintritt ist frei.

 

Gemeindebrief Ostern 2017

Rechtzeitig zum Osterfest 2017 kommt hier der dazugehörige Gemeindebrief – für alle, die ihn aufgrund des Fortzugs aus Bühl oder bspw. Umweltschutzgründen nicht mehr in gedruckter Form erhalten und selbstverständlich für alle weiteren Interessierten:
Osterbrief 2017 der Johannesgemeinde Bühl
Wie die meisten sicher schon wissen, kann man sich eine Kopie des Briefs ganz leicht über den Link oben auf sein Gerät (PC/Notebook/Smartphone) herunterladen. Lesen und Anschauen funktioniert mit so ziemlich jedem gängigen PDF-Betrachter (engl. PDF viewer), das ist vom jeweiligen Gerät und Betriebssystem abhängig.
Viel Spaß beim Lesen, Informieren und Anschauen – und nochmals frohe Ostern allen Leserinnen und Lesern!

Missions- Sonntag

Gut besucht war der Missionssonntag am 5. März, dieses Jahr waren Shamshad und Inge Eisele zu Besuch. In der Predigt im Gottesdienst und einem anschließenden Bildvortrag berichteten sie von ihrer missionarischen Arbeit, insbesondere in Indien, dem Heimatland Shamshads.  Beide leben seit April 1993 im schwäbischen Hessigheim, wo Shamshad aus Bibelworten Grußkartenmotive und Poster gestaltet, u.a. um dadurch das Evangelium auf neue Art und Weise zu verbreiten. Auch das abschließende Mittagessen wurde von den Teilnehmern genossen, gab es doch ein buntes und reichhaltiges Mitbringbuffet.

Das glaub ich (nicht) – Glaubenskurs 2017

Warum ein Seminar über den christlichen GlaubenWarum ein Seminar über den christlichen Glauben

„Für die, die nicht alles glauben“ steht auf dem Banner, das seit einigen Tagen an der evangelischen Johanneskirche hängt. Mit diesem Hingucker lädt die Kirchengemeinde zum Glaubenskurs 2017 ein. Das Team freut sich auf interessierte Gesprächspartner, die gerne mit anderen über die zentralen Fragen des christlichen Glaubens nachdenken und reden möchten. An sechs aufeinanderfolgenden Dienstagabenden stehen folgende Themen auf dem Programm: was bedeutet „Glauben“; wer ist der „liebe Gott“; wie kann Gott das Leid zulassen; wer ist Jesus Christus …? Jeder Abend beginnt mit einem kleinen Imbiss, gefolgt von einem Vortrag zum Thema. Vor allem aber soll es Zeit zum Reden geben und Gelegenheit, eigene Erfahrungen, Fragen und Standpunkte einzubringen. Martin Luther hätte es gefreut, im Jubiläumsjahr zur Reformation. Denn dafür hat er gekämpft, dass jeder selber fragen, selber denken, selber glauben darf und soll! Der Kurs beginnt am 7. März im evangelischen Gemeindezentrum (Johannesstraße 5); weitere Termine: 14., 21. und 28. März, sowie 4. und 11. April (jeweils 19.30 bis 21.30 Uhr). Infos und Anmeldung im Gemeindebüro (Tel. 22704) oder über glaubenskurs@evkirchebuehl.de.

Flyer Glaubenskurs 2017 zum Download (PDF)

Mit einem Klick zur Seite „Glaubenskurs.“

 

 

Adam und Eva an der Krippe, Predigt über Lukas 2,1-15, Christvesper 2016 / Johanneskirche Bühl

Immerhin haben die Beiden hier vorne was an, liebe weihnachtliche Gemeinde. Nicht wirklich besonders schick und passend zu den Fest- und Feiertagen: SIE ein sehr kurzes und sehr eng anliegendes Kleid und ER so eine Art Schürze. Aber immerhin haben die Beiden überhaupt was an. Denn das war nicht immer so. Ursprünglich nämlich liefen sie so herum wie Gott sie einst geschaffen hatte. Das ist eine uralte Geschichte. Aber ein wenig von dieser alten Geschichte soll heute erzählt werden. Denn die beiden Figuren, die ich in diesem Jahr aus dem Krippen-Ensemble herausgeholt habe (in absehbarer Zeit sind wir mit allen durch). Die beiden also, die heute hier im hellen Licht stehen dürfen auf dem Altar – diese Beiden sind nicht irgendein Mann und irgendeine Frau, sondern sozusagen jedermann und jedefrau. Es sind nämlich Adam und Eva, immerhin bekleidet.

Wie war das eben? Was hat er da gesagt? Manche kratzen sich jetzt (wenigstens so in Gedanken) mal am Kopf. Denn eigentlich haben wir im Reliunterricht schon aufgepasst. Und soweit wir die Bibel kennen, gehören Adam und Eva doch bitteschön ganz an den Anfang der biblischen Geschichte: 1. Buch Mose, Kapitel 1 bis 3. Das ist der Auftakt zur Bibel und zum Alten Testament. Weihnachten dagegen war ein paar Epochen später, vor gut 2000 Jahren nämlich, als das mit dem Neuen Testament anfing und mit der Jesus-Geschichte. Und wir sind hier doch im Weihnachtsgottesdienst? – Zweifellos! Und es stimmt natürlich: von Adam und Eva ist in den Geschichten von der Geburt Christi nirgendwo die Rede.

 

Und doch! Die Beiden gehören heute hierher. Sie gehören tatsächlich zur Weihnachtsgeschichte dazu. In manchen Krippendarstellungen kann man sie entdecken, Adam und Eva, neben Hirten und Königen und andern Gestalten beim neugeborenen Jesuskind. Und – manche wissen es vielleicht noch: der 24. Dezember, Heilig Abend, ist der klassische Gedenktag und Namenstag für Adam und Eva, auch in der evangelischen Tradition. Und wenn wir schon dabei sind – der Christbaum steht seit jeher als Bild für den Paradiesbaum und für den Baum des Lebens, behängt mit roten Äpfeln oder später mit roten Kugeln. Da kommt tatsächlich unser Christbaum her, aus dem Paradies, sozusagen der jährliche Fleurop-Gruß von Adam und Eva. Wobei „Adam“ eigentlich kein Name ist, sondern einfach „Mensch“ bedeutet oder Menschheit. „Adamah“ ist im Hebräischen die „rote Erde“, so dass man Adam auch mit „Erdling“ übersetzen könnte. Und so sieht unsere Tonfigur auch aus. Entsprechendes gilt für „Eva“, auch kein Eigenname, sondern eher ein Sammelwort. Übersetzt heißt Eva: lebendig, die Lebendige!

 

Und so stehen sie hier vorne an der Krippe, Adam und Eva, zwei gewichtige Gestalten, also wirklich schwer. Ich hatte sie in den letzten Tagen in mein Arbeitszimmer verschleppt, um sie ein wenig besser kennenzulernen. Witzig übrigens, dass sie bei aller weiblich/männlichen Verschiedenheit sich doch so ähnlich sind. Beide halten Kopf ein wenig schief und nach links geneigt, also zum Herzen hin. Beide haben kräftige Hände, die was schaffen und anpacken können – vor der Krippe aber sind sie wie zum Gebet zusammengelegt. Und beide haben große Ohren. Obwohl das mit dem Hören und Gehorchen da am Anfang in der Urgeschichte ganz schön schief gegangen ist. – Aber was fangen wir jetzt mit diesen Beiden an, heute, am Heiligen Abend? Was machen wir mit Adam und Eva zum Weihnachtsfest? Was haben sie uns zu sagen? – Drei Antworten wie drei rote Äpfel, drei knackige und vitaminreiche Früchte gebe ich euch heute mit:

  1. mit Adam und Eva stehen wir alle an der Krippe Jesu; Gott zieht – und dafür stehen diese Beiden – Gott zieht alle Menschen in seine Geschichte mit hinein
  2. Gott fängt zum Christfest neu mit seinen krummen und verformten Menschen an, mit uns zerbrechlichen und angeschlagenen Menschen
  3. Und schließlich: Fürchtet euch nicht! Die Botschaft des Engels trifft vor allem Adam und Eva ins Herz

Aber und das ist das Zweite. Sie stehen auch für die Gemeinschaft der Beschenkten. Denn nur dazu stehen Adam und Eva mit all den anderen Leuten Schlange an der Krippe: es gibt Geschenke!! Und Gott fängt zum Weihnachtsfest neu an mit seinen so zerbrechlichen und angeschlagenen Menschen. Dabei hätte er diese etwas verformten Figuren ja auch wieder einstampfen können. Schönheitspreise kriegen die nicht. Er hätte sich nach all dem Ärger durchaus mit neuen Projekten beschäftigen können, irgendwo anders in seinem großen Universum. Hat er aber nicht. Im Gegenteil. Gott hat sich noch viel intensiver und noch inniger mit uns beschäftigt. Ja er hat sich schließlich völlig mit uns identifiziert. Er ist einer von uns geworden. Was für ein Statement! Was für ein Bekenntnis! Gott wird ein Mensch! Ja sogar: Gott wird ein Menschenkind, damit wir Menschen Gottes Kinder werden. Nicht mehr nur Geschöpfe, alle einzigartig kreiert auf Gottes Töpferscheibe. Sondern Kinder Gottes, wie sein Fleisch und Blut, Gottes Familie, Brüder und Schwestern, durch Gottes Sohn in die Familie aufgenommen und adoptiert. – Davon hätten Adam und Eva nie zu träumen gewagt. Gott drückt nicht den ReSet-Knopf, keine neue Staffel oder Neuauflage, sondern eine völlig neue und unglaubliche Geschichte. Gott wird einer von uns, damit wir für immer zu ihm gehören. Er schließt das Paradies wieder auf und öffnet den Zugang zum Baum des Lebens neu, für uns, und sogar gratis, Eintritt frei! Kein Wunder, dass Adam und Eva der Mund offen steht. Denn so kannten sie Gott bisher noch nicht. Er hatte es sich noch mal anders überlegt, nach all dem Frust, nach all den Respektlosigkeiten und der selbstzerstörerischen Art seiner Menschen, fängt Gott noch mal von vorne an, mit einem völlig neuen, waghalsigen Konzept. Er wird ein Mensch. Und dieser neue Weg wird am Ende nicht Adam und Eva, sondern ihn das Leben kosten. Tatsächlich – Liebe! Das muss es sein. Dass Gott sich so sehr nach uns Menschen sehnt, nach Dir.

Auch wenn es Leute gibt, die durch den Terror genau das erreichen wollen. Dennoch: Fürchtet euch nicht! Auch wenn es Leute gibt, die durch Gerüchte und durch Lügen Ängste säen wollen. Dennoch und erst recht: Lasst euch nicht bange machen! Auch wenn die Kräfte und politischen Gewichte sich in unserer Welt verschieben. Auch wenn das Klima rauher wird und hitziger und wenn die Hass- und Falschmeldungen unseren Zusammenhalt beschädigen. Dennoch und erst recht: Fürchtet euch nicht! Verbündet euch hier in der christlichen Gemeinde. Mischt euch in die Debatten ein, dass wir den Schreiern nicht das Feld überlassen. Seid furchtlos ehrlich und liebevoll ehrlich und fangt in euren Partnerschaften und in den Familien an. Habt Adam lieb – also die Menschen alle. Habt Eva lieb, also das Leben – jedes Leben. Und scheut euch nicht, klein anzufangen, so wie Gott in Jesus Christus, immer wieder. Mach’s wie Gott und werde Mensch! Bei Christus, an der Krippe, gibt es alles, was Du dazu brauchst. Gib Dich ihm, mit Haut und Haaren und mit Deiner Furcht. Und empfang Dich neu aus seiner Hand. So dass er uns an Heilig Abend sagt: Fürchtet euch nicht. Die große Freude kommt! Und damit redet Gott Adam und Eva hier mitten ins Herz. Fürchtet euch nicht! Das ist die Botschaft des Engels an die Hirten und an uns alle. Fürchtet euch nicht! Denn euch ist heute der Heiland geboren, der Erlöser und Befreier, der den Weg öffnet ins Paradies, also in die Lebensgemeinschaft mit Gott. Fürchtet euch nicht!! Dabei – das muss man wissen, um die Tiefe und die Wucht dieses Satzes zu begreifen – dabei war die Furcht die erste tiefste menschliche Empfindung nach dem Vertrauensbruch in Gottes Garten. So wird es in der Urgeschichte erzählt. Sie konnten nicht mehr zu sich selber stehen, sie verhüllten und verbargen sich in selbstgemachten Kleider, und sie versteckten sich im Unterholz … denn sie fürchteten sich! So steht es da. Die Furcht vor Gott; die Furcht vor dem Entdeckt werden – wenn jemand sieht, wie ich wirklich bin; die Furcht vor einer ungewissen Zukunft und vor allem Neuen, Fremden; die Furcht vor Strafe und die Furcht vor mir selbst – weiß ich, wozu ich fähig bin? Und die Furcht vor dem Schmerz, den andere mir und den ich anderen zufüge; die Furcht vor dem Sterben und die Furcht vor dem Leben … Und da sagt Gott anders als damals in der Urgeschichte zu Adam und Eva: Fürchtet euch nicht! Fürchtet euch nicht! Das sagt auch Jesus Christus später immer wieder, im Sturm auf dem See und nachdem er den Tod entmachtet hat: Fürchtet euch nicht!

In dieser Not- und Schicksalsgemeinschaft gehören wir Menschen alle zusammen. Und es ist wichtig, das in unseren unruhigen Zeiten und in den Tagen neuer nationalstolzer Töne wieder zu begreifen. Denn freilich bin ich gerne Deutscher, und ich mag den Ort, an dem ich lebe, und das Land und seine Menschen, und ich darf auch meine Lebensart und vor allem meine Familie und unsere Lebensgemeinschaft hier schützen. Aber es gibt doch im Ernst keinen Grund dafür, dass wir uns über irgendein Land, über irgendein Volk, irgendeine Kultur oder eine Religion erheben: die Mexikaner oder die Tunesier, früher waren es die Franzosen. Für die Not- und Schicksalsgemeinschaft aller Menschen stehen Adam und Eva heute zur Erinnerung hier an der Krippe. Denn das Christentum war von Anfang an grenzüberschreitend und grenzüberwindend in einer großen mitmenschlichen Solidarität – die Solidarität der Sünder, die Solidarität der verletzenden und verletzlichen Menschen. Dafür stehen Adam und Eva!

Mit Adam und Eva stehen wir alle an der Krippe Jesu; Gott zieht – und dafür stehen diese Beiden – Gott zieht alle Menschen in seine Geschichte mit hinein. Entsprechend werden wir es nachher nämlich miteinander singen: Ich steh an Deiner Krippen hier … Ich steh dort auch. Denn Adam steht für jeden Menschen. Und Eva steht für jeden Menschen. Es ist in Wahrheit unsere Geschichte, die zu Beginn in der Bibel erzählt wird. Es ist die menschliche Geschichte überhaupt. Die Geschichte der zerbrochenen Beziehungen; die Geschichte des Misstrauens und des Verrats; die Geschichte von verletzten Grenzen und von Schuld und Scham; die Geschichte des Neids und meiner Furcht, zu kurz zu kommen. Es ist unsere ureigene Geschichte. Adam und Eva stehen stellvertretend für uns alle. Schon darum ist das mit „die Eva war’s“ – also „die Frau ist schuld“ und „hätte sie sich nicht bequatschen lassen“ oder „hätte Adam damals nicht“ – dieser ganze Verschiebebahnhof ist dummes Zeug und zeigt nur umso deutlicher wie wir Menschen alle ticken und wie wir verbunden sind miteinander.

In dieser Not- und Schicksalsgemeinschaft gehören wir Menschen alle zusammen. Und es ist wichtig, das in unseren unruhigen Zeiten und in den Tagen neuer nationalstolzer Töne wieder zu begreifen. Denn freilich bin ich gerne Deutscher, und ich mag den Ort, an dem ich lebe, und das Land und seine Menschen, und ich darf auch meine Lebensart und vor allem meine Familie und unsere Lebensgemeinschaft hier schützen. Aber es gibt doch im Ernst keinen Grund dafür, dass wir uns über irgendein Land, über irgendein Volk, irgendeine Kultur oder eine Religion erheben: die Mexikaner oder die Tunesier, früher waren es die Franzosen. Für die Not- und Schicksalsgemeinschaft aller Menschen stehen Adam und Eva heute zur Erinnerung hier an der Krippe. Denn das Christentum war von Anfang an grenzüberschreitend und grenzüberwindend in einer großen mitmenschlichen Solidarität – die Solidarität der Sünder, die Solidarität der verletzenden und verletzlichen Menschen. Dafür stehen Adam und Eva!

Aber und das ist das Zweite. Sie stehen auch für die Gemeinschaft der Beschenkten. Denn nur dazu stehen Adam und Eva mit all den anderen Leuten Schlange an der Krippe: es gibt Geschenke!! Und Gott fängt zum Weihnachtsfest neu an mit seinen so zerbrechlichen und angeschlagenen Menschen. Dabei hätte er diese etwas verformten Figuren ja auch wieder einstampfen können. Schönheitspreise kriegen die nicht. Er hätte sich nach all dem Ärger durchaus mit neuen Projekten beschäftigen können, irgendwo anders in seinem großen Universum. Hat er aber nicht. Im Gegenteil. Gott hat sich noch viel intensiver und noch inniger mit uns beschäftigt. Ja er hat sich schließlich völlig mit uns identifiziert. Er ist einer von uns geworden. Was für ein Statement! Was für ein Bekenntnis! Gott wird ein Mensch! Ja sogar: Gott wird ein Menschenkind, damit wir Menschen Gottes Kinder werden. Nicht mehr nur Geschöpfe, alle einzigartig kreiert auf Gottes Töpferscheibe. Sondern Kinder Gottes, wie sein Fleisch und Blut, Gottes Familie, Brüder und Schwestern, durch Gottes Sohn in die Familie aufgenommen und adoptiert. – Davon hätten Adam und Eva nie zu träumen gewagt. Gott drückt nicht den ReSet-Knopf, keine neue Staffel oder Neuauflage, sondern eine völlig neue und unglaubliche Geschichte. Gott wird einer von uns, damit wir für immer zu ihm gehören. Er schließt das Paradies wieder auf und öffnet den Zugang zum Baum des Lebens neu, für uns, und sogar gratis, Eintritt frei! Kein Wunder, dass Adam und Eva der Mund offen steht. Denn so kannten sie Gott bisher noch nicht. Er hatte es sich noch mal anders überlegt, nach all dem Frust, nach all den Respektlosigkeiten und der selbstzerstörerischen Art seiner Menschen, fängt Gott noch mal von vorne an, mit einem völlig neuen, waghalsigen Konzept. Er wird ein Mensch. Und dieser neue Weg wird am Ende nicht Adam und Eva, sondern ihn das Leben kosten. Tatsächlich – Liebe! Das muss es sein. Dass Gott sich so sehr nach uns Menschen sehnt, nach Dir.

So dass er uns an Heilig Abend sagt: Fürchtet euch nicht. Die große Freude kommt! Und damit redet Gott Adam und Eva hier mitten ins Herz. Fürchtet euch nicht! Das ist die Botschaft des Engels an die Hirten und an uns alle. Fürchtet euch nicht! Denn euch ist heute der Heiland geboren, der Erlöser und Befreier, der den Weg öffnet ins Paradies, also in die Lebensgemeinschaft mit Gott. Fürchtet euch nicht!! Dabei – das muss man wissen, um die Tiefe und die Wucht dieses Satzes zu begreifen – dabei war die Furcht die erste tiefste menschliche Empfindung nach dem Vertrauensbruch in Gottes Garten. So wird es in der Urgeschichte erzählt. Sie konnten nicht mehr zu sich selber stehen, sie verhüllten und verbargen sich in selbstgemachten Kleider, und sie versteckten sich im Unterholz … denn sie fürchteten sich! So steht es da. Die Furcht vor Gott; die Furcht vor dem Entdecktwerden – wenn jemand sieht, wie ich wirklich bin; die Furcht vor einer ungewissen Zukunft und vor allem Neuen, Fremden; die Furcht vor Strafe und die Furcht vor mir selbst – weiß ich, wozu ich fähig bin? Und die Furcht vor dem Schmerz, den andere mir und den ich anderen zufüge; die Furcht vor dem Sterben und die Furcht vor dem Leben … Und da sagt Gott anders als damals in der Urgeschichte zu Adam und Eva: Fürchtet euch nicht! Fürchtet euch nicht! Das sagt auch Jesus Christus später immer wieder, im Sturm auf dem See und nachdem er den Tod entmachtet hat: Fürchtet euch nicht!

 

Auch wenn es Leute gibt, die durch den Terror genau das erreichen wollen. Dennoch: Fürchtet euch nicht! Auch wenn es Leute gibt, die durch Gerüchte und durch Lügen Ängste säen wollen. Dennoch und erst recht: Lasst euch nicht bange machen! Auch wenn die Kräfte und politischen Gewichte sich in unserer Welt verschieben. Auch wenn das Klima rauher wird und hitziger und wenn die Hass- und Falschmeldungen unseren Zusammenhalt beschädigen. Dennoch und erst recht: Fürchtet euch nicht! Verbündet euch hier in der christlichen Gemeinde. Mischt euch in die Debatten ein, dass wir den Schreiern nicht das Feld überlassen. Seid furchtlos ehrlich und liebevoll ehrlich und fangt in euren Partnerschaften und in den Familien an. Habt Adam lieb – also die Menschen alle. Habt Eva lieb, also das Leben – jedes Leben. Und scheut euch nicht, klein anzufangen, so wie Gott in Jesus Christus, immer wieder. Mach’s wie Gott und werde Mensch! Bei Christus, an der Krippe, gibt es alles, was Du dazu brauchst. Gib Dich ihm, mit Haut und Haaren und mit Deiner Furcht. Und empfang Dich neu aus seiner Hand.